Die ganz alltägliche Parkastrophe

Nichts verändert das Stadtbild so fundamental wie Parkplätze.

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Schön, schöner, autofrei – der Münsterhof in Zürich lädt seit 2016 zum Flanieren statt Parkieren ein.

Am Samstag bin ich durch die Altstadt gebummelt, vom Bürkliplatz Richtung Hauptbahnhof, vorbei an Armadas geparkter Ferraris, Landrovers und BMWs. Das Blech in Millionenhöhe liess ich erst auf dem neuen Münsterhof hinter mir. Vor einem Jahr wurde dieser Platz den Fussgängern zurückgegeben, nachdem er jahrelang als Aufbewahrungsort für Autos gedient hatte.

Eigentlich müssten Autos ja Steh- statt Fahrzeuge heissen, da sie 95 Prozent der Zeit nur herumstehen. Und dafür opfert man ihnen in vielen Städten die schönsten Orte. Gemäss einem  Artikel im Economist beeinflusst nichts das Stadtbild so sehr wie Parkplätze. Und sind sie vorhanden, entscheiden sich viele Leute dafür, das Auto zu nehmen. Daran können weder superschnelle ÖV-Verbindungen noch Velospuren etwas ändern.

Ok, früher hat man den Autos noch mehr Platz eingeräumt als jetzt.
Nirgendwo fühlt sich Zürich so sehr als Grossstadt an wie auf dem neuen Sechseläutenplatz – ohne Autos.

Der Economist-Artikel erinnert mich an meine frühere Nachbarin, die jeweils den Kinofilm aufgrund des Parkplatzes ausgewählt hatte. Sie scheint mit dieser Einstellung nicht allein da zu stehen. Blöder Nebeneffekt: Viele Staus in Innenstädten bestehen nur aus Parkplatz suchenden Autofahrern.

Der Münsterhof und der Sechseläutenplatz lassen die Hoffnung keimen, dass Stadtplaner dereinst einsehen, dass die Städte für Menschen und nicht für Autos sind.

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So schön ist das Mythenquai ohne Autos.
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In Japan haben sie es längst gecheckt, dass Autos nicht entlang der Strasse parkiert werden.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sandra Matteotti sagt:

    Ich fühle mich nun alt. Ich habe noch auf der Theaterwiese geparkt. Und als die Parkplätze wegfielen, war das schon übel. Obwohl ich eigentlich kaum je mit einem Auto in die Stadt fahre (und je fuhr, ich besass in der meisten Zeit hier in Zürich nicht mal eines), aber wenn….

    Die Theaterwiese ist toll. Ich liebe alle verkehrsbefreiten Stellen in Zürich. Die Stadt hat enorm gewonnen. Aber: Wenn ich mir vorstelle, ich wohnte im hinteren Tal des Berner Oberlandes, hätte durch Anschlussschwierigkeiten Stunden (!!) teuren (!!) Bahnverkehrs, um dahin zu gelangen, wäre ich doch froh um zahlbare (!!) Parkhäuser am Stadtrand, um von da zeitnah (!) ins Zentrum zu kommen.

    Ich weiss, das ist nicht ganz und gar ökologisch und das tiefe Berner Oberland ist nicht die Zielgruppe, die man so als zahlungskräftig anziehen möchte, aber: Zürich wird nur überleben, wenn Menschen kommen. Und die müssen das irgendwie herschaffen. Eine verkehrsfreie Innenstadt ist begrüssenswert, mir fehlt noch ein wenig die Infrastruktur rundherum. Wenn ich so mit anderen Städten vergleiche.

    Zum Glück wohne ich in Zürich. Mich würde das also alles nicht kümmern. Tut es aber irgendwie.

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    1. cristina sagt:

      Liebe Sandra, gegen grosse Parkhäuser am Stadtrand hätte ich auch nix 🙂 einfach nicht in der Stadt an den schönsten Flecken! Verschandelt das Stadtbild und macht wie geschrieben zusätzlichen Stau durch Parkplatzsuchende. Liebs Grüessli, Cristina

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