Baywatch-Gefühle in Wollishofen

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Wieso in die Ferne schweifen, wenn die Badi Wollishofen liegt so nah?

In der 1930er-Jahre-Badi Wollishofen badet es sich schön und stilecht. Im Schatten des 250 Jahre alten Kastanienbaums verrät mir Betriebsleiter Matthias Rieder, wieso Bademeister ein Traumjob ist und wann er sich wie Mitch aus Baywatch fühlt.

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Manchmal hat es so wenige Leute, dass man das Gras flüstern hört.
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Architekt Hermann Herter setzte 1939 vor allem auf Beton, Holz und Glas.

Seit Baywatch träumen viele Leute davon, Bademeister zu sein. Ist Bademeister wirklich ein Traumberuf?

Wasser hat mich schon immer fasziniert, deshalb ist es für mich schon ein Traumjob. Allerdings ist unser Beruf manchmal auch sehr fordernd: lange Arbeitstage, viel Hitze, Stress und Lärm. Dafür haben wir ein lockeres Umfeld und einen angenehmen Umgang mit den Badegästen. Auch der Bezug zur Natur und das Arbeiten im Freien schätze ich sehr.

Wie viel Baywatch steckt denn in deinem Berufsalltag?

Eine erfolgreiche Rettungsaktion gibt einem das tolle Gefühl, gebraucht zu werden. Da fühlt man sich schon ein wenig wie Mitch, zumal wir die gleichen Rettungsbojen haben wie in der Serie. Natürlich ist ein sportliches Erscheinungsbild in unserem Beruf wichtig. Aber: Die Ästhethik hat bei uns keine Priorität. Auch hat mir Pamela Anderson nie besonders gefallen.

Was macht eigentlich ein Bademeister, wenn zwei Menschen gleichzeitig in Seenot sind?

In so einem Fall müssen wir unsere Mittel und Fähigkeiten möglichst gezielt einsetzen. Nach dem Zurufen werfen wir als zweite Massnahme beiden Personen einen Rettungswürfel zu. Wenn sie es nicht allein an Land schaffen, versuchen wir, von unserem Rettungsboot aus Hilfe zu leisten. Die letzte und für den Bademeister gefährlichste Variante ist, selber reinzuspringen. Hier würden wir zuerst der Person helfen, die am kritischsten dran ist.

Gibt es auch lustige Situationen mit den Badegästen?

O ja, sogar sehr viele, besonders mit Kindern. Da kommen Fragen wie „Ist das Wasser nass?“ oder „Gibt es Meerjungfrauen oder Monster im Zürichsee?“. Ein paar amüsante Situationen können hier nicht erwähnt werden. Das bleiben die Geheimnisse eines Bademeisters. (schmunzelt)

Was macht ein Bademeister eigentlich im Winter?

Ein paar von uns sind Lebenskünstler, die während der Saison als Bademeister arbeiten und den Winter irgendwo im Süden verbringen. Den meisten genügt der Sommerlohn nicht und sie arbeiten im Winter zum Beispiel als Ski- oder Tauchlehrer. Einigen Sommerangestellten bietet das Sportamt eine Kombistelle an. Sie arbeiten im Winter im Hallenbad oder auf der Kunsteisbahn. Aber die Stadt kann nicht allen Bademeistern eine Ganzjahresstelle garantieren. Da die Sommersaison nur fünf Monate dauert, müssen sich viele Bademeister für die Zwischenzeit eine andere Stelle suchen. Mit der Folge, dass nicht alle im nächsten Jahr als Bademeister zur Verfügung stehen.

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Der kleine Hunger kann im Bistro gestillt werden. Für grossen Hunger würde ich dann eher in die Rote Fabrik gehen.
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Die Badi wurde in den 1939 Jahren vom Architekt Hermann Herter gebaut. Ihm verdanken wir auch das City Hallenbad und die Tramhaltestellen Bellevue und Paradeplatz.

 

Mehr Infos unter: http://www.badi-info.ch/wollishofen.html

 

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. B sagt:

    Leider hatte ich vor 2 Wochen ein ganz schlechtes Erlebnis mit der Badi Wollishofen. Vor der Badi liegt eine lange Brücke. Und dort am Pfosten der Brücke – ca. 30-40 Meter von der Badi entfernt, hat sich eine junge Frau festgehalten weil sie erschöpft war und nicht mehr weiterschwimmen konnte. Ihre Freundin hat wie wild versucht auf sich aufmerksam zu machen – doch der Badmeister, welcher genau in die Richtung der Frau sass, hat sie nach 5min winken, rufen und pfeiffen nicht bemerkt. Die Kollegin der jungen Frau kam dann auf uns zugerannt weilt wir mit dem SUP ins Wasser wollten – grad beim Anfang der Brücke wo auch der Hafen Wollishofen ist. Mein Mann hatte ca. 5min bis er bei der jungen Frau ankam. Während dieser Zeit habe ich dann mitgeholfen den Bademeister auf uns aufmerksam zu machen. Nichts! Keine Reaktion! Ich weiss ja nicht wohin der Bademeister schaut aber weiter als 5 Meter kaum.

    Nach der Rettungsaktion bin ich dann zum Bademeister gelaufen und habe seinen Kollegen darauf angesprochen. Die nüchterne und arrogante Reaktion – Tja, das ist halt ausserhalb unseres Bereiches.

    Klar, der Mann hat Recht, er muss ja theoretisch auch nur auf die Badegäste der Badi Wollishofen achten. Aber wenn 2 Personen 30 Meter von der Badi entfernt rufen, nein schreien, winken und pfeiffen – das sollte man doch innerhalb von 10-15min bemerken wenn man den Blick von links nach rechts schweifen lässt.

    Naja, so ernst scheinen es die Bademeister in Wollishofen ja nicht zu nehmen. Hauptsache die Bräune stimmt dann am Ende der Saison.

    Möchte ja nich wissen, was passiert wenn dann mal ein Badigast in Not ist. Was ist dann die Ausrede? Sorry, hab mich grad eingecremt?!

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  2. cristina sagt:

    Hallo B, oje, das ist ja wirklich kein erfreuliches Erlebnis. Seit meinem Gespräch mit Matthias verstehe ich aber auch die Sicht der Bademeister besser. Auf ihnen lastet eine enorme Verantwortung und wenn dann mal was schief geht, ist es ihre Schuld.
    Der Bademeister, den du erlebt hast, hat wohl seine Aufgabe etwas eng gesehen und alles, was über seinen Verantwortungsbereich hinausgeht, ist nicht sein Problem. Ich denke, das ist schon eher die Ausnahme (hoffe es zumindest). Liebe Grüsse, Cristina

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